»Kur- und Heilwald eine nachhaltige Chance zur Angebotserweiterung«

Beginn: 03.2018

Im Projekt des Bäderverbandes M-V e.V. »Gesundheitspotenzial Kur- und Heilwald« und dem darin integrierten 1. Internationalen Kongress mit der Ausweisung des ersten Heilwaldes und Kurwaldes in Europa, zeigte sich deutlich, dass es sowohl national als auch international großes Interesse an der Entwicklung des Potenzials Wald zum Heilwald oder Kurwald und der damit im Zusammenhang stehenden indikationsbezogenen, medizinischen Nutzung gibt.

In jüngster Zeit gewinnt das Thema Wald und Gesundheit zunehmend an Bedeutung. Zum einen führt der heutige urbane Lebensstil, geprägt von Technik und Terminen bei vielen Menschen zum Bewegungsmangel, zur Hektik und Reizüberflutung. Psychischer Stress und Übergewicht sind Folgen. Sie gefährden die Gesundheit und führen zu Zivilisationserkrankungen, wie Bluthochdruck, Diabetes, Stressleiden und Depression. Zum anderen gibt es den Trend »Zurück zur Natur«. Bioprodukte, Waldkindergärten, Naturmedizin und Sport im Freien nehmen zu.

Weiterbildung zum Waldtherapeuten
Im Ergebnis der Ausweisung von Heilwäldern und Kurwäldern besteht ein nicht unerheblicher Bedarf eines Weiterbildungsangebotes zum Waldtherapeuten. Um diesem Rechnung zu tragen, ist es beabsichtigt in Mecklenburg-Vorpommern diesen Zweig als Zusatzqualifizierung bei einer Weiterbildungseinrichtung zu installieren. In einer Marktanalyse wurden bereits Bedarfe und Zielgruppen herauskristallisiert sowie ein Curriculum erstellt. Darauf aufbauend gilt es die weiteren Schritte bis zur Schulungsumsetzung in die Wege zu leiten.

Einbindung der Projektgemeinden
Neun neue Kommunen möchten ebenfalls Wälder zur gesundheitstouristischen Angebotserweiterung ausbauen. Weiter besteht die Notwendigkeit der Begleitung der bisher in das Projekt »Gesundheitspotenzial Kur- und Heilwald« eingebundenen acht Kommunen bis zur Ausweisung der Heilwälder und Kurwälder sowie der gesundheitstouristischen Angebotsgestaltung. Für die neu hinzukommenden Wälder sind Wald- und medizinische Gutachten zu erarbeitende Grundvoraussetzungen.

Angebotsstrukturierung und Vermarktung
Zunehmend bekunden Gemeinden großes Interesse, kommunale Waldgebiete zu Heilwäldern oder Kurwäldern auszubauen, um sie zur gesundheitstouristischen Angebotserweiterung nutzbar zu machen. Mecklenburg-Vorpommern ist aufgrund seines Landeswaldgesetzes (vom 18.10.2005, § 22) und per Verordnung in der Lage, Waldgebiete zum Heilwald und Kurwald auszuweisen. In Kooperation mit den Gemeinden und unter der fachkompetenten Einbeziehung von Medizinern, Förstern, Touristikern und weiteren branchenübergreifenden Spezialisten gilt es, die Kommunen bis zur Ausweisung der Heilwälder und Kurwälder zu begleiten, um ein Netz von indikationsbezogenen Heilwäldern und Kurwäldern hier in Mecklenburg-Vorpommern zu installieren und entsprechende Vermarktungsstrukturen aufzubauen. Mit Unterstützung von weiteren Partnern wie Universitäten und Fachverbänden auf Bundesebene und Landesebene müssen zielgruppenorientierte Programme entwickelt und vermarktet werden. Über das Institut für Bewegungswissenschaft Sport- und Bewegungsmedizin der Uni Hamburg, Institutsleiter Prof. Dr. med.  Klaus-Michael Braumann, sollen die bedarfsgerechten Programme entwickelt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention, dessen Präsident Prof. Braumann ist, sowie die Krankenkassen und andere Partner, sollen als Kommunikatoren in der Vermarktung dienen.

Web. App
Eine bereits erstellte webgestützte Wald- App gilt es aussagefähig mit allen Heilwäldern und Kurwäldern Mecklenburg- Vorpommerns und den dazu gehörigen Informationen zu füllen.

Notwendigkeit einer Studie
Da die meisten Rehabilitationskliniken in Mecklenburg-Vorpommern in Waldnähe liegen, bietet sich eine indikationsbezogene Nutzung an. Diesbezüglich liegen fast keine wissenschaftlichen Studien vor.  Um Zusatzangebote und Alleinstellungsmerkmale herauszuarbeiten und damit die Reha-Landschaft unseres Landes besonders im Mutter-Vater-Kind Bereich in der wirtschaftlichen Stabilität zu unterstützen, sind solche Studien zur Wirkweise des Waldes angeraten. Bereits im Kindesalter sind Adipositas und Begleiterkrankungen auf dem Vormarsch. Ursachen dafür sind Bewegungsmangel und Fehlverhalten

Erfahrungsaustausch und Internationalisierung
Das Bestreben anderer EU Länder, unter Federführung Mecklenburg-Vorpommerns, Kooperationen auf internationaler Ebene zum Ausbau und zur wissenschaftlichen, indikationsgerechten Untersuchung der Wirkung von Heilwäldern und Kurwäldern einzugehen, ist eines der Ergebnisse, des im vorangegangenen Projekt durchgeführten Internationalen Kongresses. So hat das Land Österreich bereits ein »Memorandum of Understanding« mit dem Bäderverband Mecklenburg-Vorpommern e.V. unterzeichnet. Die Region Katalonien wird folgen.

Dieses Projekt wird kofinanziert von der Europäischen Union, aus dem Europäischen Fond für regionale Entwicklung. Operationelles Programm Mecklenburg-Vorpommern 2014-2020 - Investitionen in Wachstum und Beschäftigung.